"Kurt Wanski – Ausrufezeichen und unterstrichen"
Ausstellung 2013 in Leverkusen 

Kurt Wanski – Ausrufezeichen und unterstrichen
Ausstellung: 24.02. - 28.04.2013
Vernissage Sonntag 24.02.2013, 11 Uhr
Bayer Kulturhaus, Leverkusen

Kurt Wanskis Werk wird der sogenannten „Outsider-Art“ zugeordnet – ein unglücklicher Begriff für die Produktion von Kunst, die außerhalb der etablierten Kunstströmungen angesiedelt ist. Outsider-Künstler sind Laien, Kinder und Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung, die über eine enorme kreative Kraft verfügen und mit ihren Werken Unerwartetes und Phantastisches entstehen lassen. Kurt Wanski legt mit seinen farbenfrohen Zeichnungen ein erstaunlich reales Zeugnis über die Widersprüchlichkeiten des menschlichen Daseins ab, indem er einfach nur abbildet, was ihn umgibt. Er blickt auf die Außenwelt, die Wirklichkeit, und setzt sie im kreativen Prozess in Beziehung zur Innenwelt; also zu seiner Phantasie und seinem künstlerischen Kosmos. Wanski, für den das Zeichnen eine lebensnotwendige Handlung ist, gibt alles so wieder, wie es aussieht und wie es ihn ansieht und zwar ohne Wertung, ohne Hierarchie und ohne geistigen Überbau. In der Beschäftigung mit dieser Kunstrichtung begegnet man letztendlich auch sich selbst. Es darf die Frage gestellt sein, wer wirklich „outside“ ist oder „inside“ sein darf. Und so mancher „Insasse“ dieser Welt – vernetzt und immer erreichbar – wünscht sich wie ein Autist die Verbindung zur Außenwelt zu kappen, sei es aus Selbstschutz, aus Notwehr oder um dem Wunsch nach Ruhe in der Hoffnung zu folgen, dass daraus etwas Neues und Kreatives entstehen kann.

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Kurt Wanski ist Künstler, Musiker und anders als andere Menschen. Seine Diagnose lautet: „Entwicklungsstand im frühkindlichen Stadium, Bildungsunfähigkeit, Sammeltrieb...“ Der 90-Jährige, dessen Arbeiten seit 1982 ausgestellt und gesammelt werden, lebt betreut in einem Heim in Berlin.

In zeichnerischen Mitteilungen berichtet er über seine Begegnungen mit den Bildern der Welt, jener Welt, in der angeblich alles normal ist. Wanski ist wach, er liest täglich Zeitungen und Zeitschriften und beschäftigt sich mit seinen „inneren“ Bildern und jenen der Printmedien. Auf dem Papier – meist mit Filzstiften oder Ölkreiden gemalt – erscheinen dann Mixturen dieser beiden Bildwelten, die sich in träumerische und originelle Metamorphosen des Gesehenen wandeln. Sinn des Werkes ist seine Erschaffung selbst, initiiert durch schöpferische Energie, Schaffenskraft und unverbrauchte Spontaneität. Wanskis Bilder sind lustig und poetisch. Unbefangen und vorurteilsfrei reagiert er auf die ihn umgebende Bilderflut. Nach eigenem Gesetz wählt er die Gegenstände seiner Zeichnungen aus: Tiere, Flugzeuge, berühmte Menschen, wie Politiker und Schauspieler und die „Wilden“ der Gesellschaft: Clowns, Indianer, Rocker.

Beeinflusst durch das katholische Stift, in dem er lebt, erscheinen auch christlich geprägte Szenen oder biblische Gestalten. Wie ein Anachronismus wirken die in Sütterlin – die Schrift seiner Kindheit – geschriebenen Worte an den Bildrändern neben seinen modernen, farbigen Zeichnungen. Mit künstlerischem Stolz signiert er jedes Bild mit seinem vollen Namen: Kurt Wanski – unterstrichen und mit einem Ausrufezeichen versehen. Will man sein Werk Strömungen oder Gruppierungen zuordnen, dann trifft man auf Etiketten wie Art Brut, Raw-Art, Self-taught Art oder Outsider-Art – Bezeichnungen, die diese Kunstform als eine außerhalb etablierter Kunstrichtungen liegend markieren. Angesichts der Individualität und der Unbeeinflussbarkeit seiner Formensprache erscheint eine Zuordnung überflüssig. Wichtiger ist, die Frage nach unserem Konzept von „Normalität“ und „Andersartigkeit“ zu stellen.
 
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Autor
Bayer AG, Referat Kunst, Leverkusen 
Datum
2012-05-11 
Quelle
Pressetext aus: Spielzeit 2012/13, Referat Kunst, "Innenwelten – Außenwelten". Internetseite von Bayer Kultur 
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