Buchbesprechung zu "Wochenmarkt und Knochengeld" 

Katalog der Heimatkunst
Bezirk Pankow hat seine zahlreichen Künstler fest im Blick
Von Hartmut Seefeld

Der Zeichner Kurt Wanski ist wahrlich unbescheiden. Immerhin ziert ein unübersehbares Ausrufezeichen die Namenssignatur auf seinen zahlreichen Werken aus Bunt- oder Filzstiften. Der 84jährige, der seit 1971 seinen Wohnsitz im St. Joseph- Krankenhaus hat, findet aber allemal Käufer. Auch das Bezirksamt war schon bei ihm Kunde, 1993 erwarb es das Werk »Eine Frau für Großvater! Tanggo«. Die Buntstiftzeichnung ist eins von 100 ausgewählten Werken, die es jetzt in dem Buch »Wochenmarkt und Knochengeld« publizierte.

Der etwas skurrile Wanski befindet sich dort in der ausgezeichneten Gesellschaft von Kollwitzfreund Herbert Tucholski, Kollwitz-Preisträgerin Sabina Grzimek, Bildhauer Wieland Förster oder auch dem Grafiker Manfred Butzmann. »Es ist ein glücklicher Umstand, dass Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee seit 1945 bevorzugt Lebens- und Arbeitsorte von Künstlerinnen und Künstlern geworden sind«, schreibt Kulturstadträtin Almuth Nehring-Venus in einem Vorwort für das Buch. Das hat naturgemäß sehr verschiedene Gründe, wobei auch der seit Anfang der 60er Jahre intensivierte Prozess der Auftragsvergabe durch staatliche Institutionen, vor allem auch durch die damaligen Räte der Stadtbezirke, an lokale Künstler eine wichtige Rolle spielte. So entstand im Laufe der Jahre eine Sammlung aus 1.262 Werken, geschaffen von 357 Künstlerinnen und Künstlern.

Im Alltag ist diese Sammlung nur wenig präsent. Einst zierte vieles manche Amtsstube, jetzt ist oft das Depot der Hauptaufenthaltsort. Verdienst dieses Buches aus dem Lukas Verlag ist es, die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf diese Kunstwerke zu lenken. Es ist ein beachtlicher Bogen, der da zwischen dem ältesten Bild »Wochenmarkt in Pankow« aus dem Jahre 1911 von Paul Kuhfuss und einer Sammlung von Knochengeldunikaten, entstanden im Rahmen einer Kunstaktion der Galerie O2 im Jahre 1993, gespannt worden ist.

Bei der Wanderung durch die lokale Welt der Kunst wird der Leser von 20 Autoren begleitet, die, kompetent wie Kathleen Krenzlin, hintergründig wie Reinhard Kraetzer oder auch ungebremst intellektuell wie Christoph Tannert, zu den publizierten Kunstwerken ihren Kommentar geben. Ein guter Katalog über eine nie gewesene Ausstellung.

»Wochenmarkt und Knochengeld«; Lukas Verlag, 240 Seiten; 25 Euro; ISBN: 3-936872-83-X.

aus: Vor Ort; Stadterneuerung in Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow; 15. Jahrgang, April 2006, S. 12; Hg.: Mieterberatung Prenzlauer Berg, Gesellschaft für Sozialplanung mbH
 
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Autor
Hartmut Seefeld 
Datum
2006-04 
Quelle
Vor Ort, 15. Jahrgang, April 2006, S. 12 
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