Elvis trifft Merkel: Kurt Wanski in der Guardini-Galerie 

KURZ & KRITISCH
von Simone Reber

KUNST

Elvis trifft Merkel: Kurt Wanski in der Guardini-Galerie

Er hat die hellwachen Augen eines Kindes und das schmale Gesicht eines Greises. Will man die Ausstellung „Kurt Wanski – Die Parasiten des Ruhms“ in der Guardini-Galerie verstehen, empfiehlt es sich, zuerst das berührende Filmporträt von Gerd Kroske anzuschauen: „Kurt – oder Du sollst lachen“. Mit der Diagnose „Entwicklungsstand im frühkindlichen Stadium“ hat der heute 88-Jährige sein Leben in Heimen verbracht. Tagsüber wandert er durch die Straßen. In naiven Filzzeichnungen hält er fest, was er sieht: Konterfeis von Politikern wie Helmut Kohl oder Angela Merkel, die Silhouetten von Popgrößen wie Michael Jackson oder Elvis Presley, aber auch Madonnendarstellungen und ein Christus (bis 15.10., Askanischer Platz 4, Di – Fr 14 – 19 Uhr).

Die Blätter beschriftet Wanski mitunter in Sütterlin und fügt in Versalien seinen Namen dazu, dahinter ein Ausrufezeichen. Früher hat er seine Arbeiten in den Ausstellungen anderer Künstler ausgelegt, nun hat er eine eigene Schau. Doch in dem Kunstraum wirken die Zeichnungen roh und verloren. Erst wenn man im Film sieht, wie Wanski im gemusterten Hemd geübt auf der Mundharmonika spielt, dann erhält man einen Eindruck von der Eigenheit seines Lebens.
 
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Autor
Simone Reber 
Datum
2010-09-27 
Quelle
Der Tagesspiegel, KURZ & KRITISCH, Kunst 
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